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Grosses Interesse an der Schule

Erschienen am: Sa, 12.11.2011 · Erschienen in: Tagblatt Online

Regierungsrat Stefan Kölliker (Mitte) interessiert sich für die Meinung und das Befinden der Bevölkerung, hier im Gespräch mit Fabian Herter (Vorstand SVP St. Margrethen) und Parteimitglied Monika Ackermann. (Bild: Monika von der Linden)

 

Regierungsrat Stefan Kölliker referierte am Donnerstagabend am ersten von sechs Bildungsabenden im Kanton St. Gallen über aktuelle Projekte der Schulentwicklung. Anlass zur Diskussion gaben Fremdevaluation und Sexualpädagogik.

MONIKA VON DER LINDEN

ST. MARGRETHEN. Bildungspolitik berührt die Bevölkerung, weil sie mit hohen Kosten und mit Vermittlung von Werten an Kinder und Jugendliche verbunden ist wie kaum ein anderer Bereich. Ausserdem braucht die Wirtschaft Schul- und Studienabgänger, die den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sind. Mit diesem Hintergrund lud die SVP-Ortssektion St. Margrethen Regierungsrat Stefan Kölliker zu einem Bildungsabend für Mitglieder, Schulräte, Lehrkräfte und Eltern ins Schulhaus Wiesenau.

Tempo herausnehmen

Zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2008 formulierte der Regierungsrat das Ziel, unbedingt Tempo aus schulischen Reformen herauszunehmen. Dieses Bestreben spiegelte sich in allen Projekten wider, über die Kölliker referierte. In der sich anschliessenden Fragerunde war eine Erleichterung über diesen Ansatz spürbar.

Die Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) erarbeitet derzeit mit dem «Lehrplan 21» einen gemeinsamen Lehrplan für die 21 Deutschschweizer Kantone. Eine Harmonisierung sei ein Bedürfnis, das stärker zu gewichten sei als der Verlust von Autonomie, sagte Kölliker. Nationale Bildungsziele zu verabschieden, sei unabhängig vom HarmoS-Konkordat. Jedem Kanton verbleibe ausserdem eine Gestaltungsfreiheit von 20 Prozent.

Mit dem «Lehrplan 21» werde festgelegt, welche Grundkompetenzen Kinder und Jugendliche haben sollen. Gleichzeitig gäbe es eine Grundlage für die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften, so der Bildungschef.

Anhand von Leistungstests (zum Beispiel Stellwerk) werden Defizite erhoben und eine individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler eingeleitet. Der Berufswahlprozess soll neu gegen Ende der sechsten Klasse ausgelöst werden. Davon verspricht sich die D-EDK, dass die Fähigkeiten Jugendlicher für eine Branche früher erkannt und entsprechend ausgebaut werden können.

Sexualpädagogik bewegt

Mit Blick auf die in der Öffentlichkeit und an diesem Abend intensiv diskutierte Sexualpädagogik warnte Kölliker, eine vorgefasste Meinung könne sich auf das ganze Projekt «Lehrplan 21» übertragen und es somit gefährden. Er selber und die D-EDK seien befremdet, nicht in den Prozess einbezogen worden zu sein. Dennoch sei er froh, dass die vom Bundesamt für Gesundheit in Auftrag gegebene Studie ans Tageslicht gekommen sei. Nun stehe die Sexualpädagogik – gerade für die Kindergartenstufe – unter starker Kontrolle. Für die Lehrerbildung erachtet Kölliker diese Studie sogar als sinnvoll, um Lehrer auf die zunehmende Problematik – in Verbindung mit neuen Medien – vorzubereiten.

Oberstufe 2012 wahlweise

Zum Schuljahreswechsel 2012 wird im Kanton die Kooperative Oberstufe eingeführt, führte der Bildungschef weiter aus. Ziel sei eine Durchmischung von Real- und Sekundarstufe, beschränkt auf die Fächer Englisch und Mathematik. Dieses behutsame Modell ermögliche eine individuelle, stufenübergreifende Förderung. Positiv aufgenommen wurde unter den Anwesenden, dass jede Gemeinde über die Einführung des Modells selber entscheidet.

Auch das Konzept Schulqualität löste grosses Interesse aus. Obwohl der Kanton die Regionale Schulaufsicht abschaffen muss, legt Kölliker Wert darauf, die Verantwortung den Schulen zu übergeben und die Schulleitung mittels Fremdevaluation zu überprüfen. Die kantonale Schulaufsicht reagiere erst bei entsprechenden Beanstandungen. Diese Neuregelung sei auf das nächste Schuljahr vorgesehen, müsse aber noch vom Parlament verabschiedet werden. Die Finanzierung der Fremdevaluation sei Bestandteil des jüngst verabschiedeten Sparpaketes. 10 Mio. Franken werden bei Sonderschulen vom Kanton auf die Gemeinden verlagert.

Im Gegenzug übernimmt der Kanton zum Beispiel die Kosten der Fremdevaluation. Wer die Evaluation durchführt, wird aktuell im Bildungsdepartement diskutiert. Kölliker wollte nur soviel verraten, er sei gegen eine ausserkantonale Vergabe, um Erfahrungen und Erkenntnisse im Kanton zu halten. Gleichzeitig zeichne sich ab, die Pädagogische Hochschule St. Gallen wird es nicht sein können, da sie für die Aus- und Weiterbildung verantwortlich ist.

Als das Hauptprojekt im Bildungswesen der nächsten zwei Jahre bezeichnete der Bildungschef das Sonderpädagogik-Konzept, das Fördermassnahmen, Umfang und Zuweisung regeln werde. Kölliker zeigte sich überzeugt, dieses Projekt werde in der Bevölkerung für Aufruhr sorgen.

Quelle: http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/stgallen/rheintal/rt-ur/Grosses-Interesse-an-der-Schule;art166,2753718

 

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