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Ein Arbeitnehmer auf der Seite der Wirtschaft

Erschienen am: Mi, 20.01.2016 · Erschienen in: Rheintaler Bote

 

Ein Arbeitnehmer auf der Seite der Wirtschaft

Vor rund einem Jahr trat Harry Grubenmann aus Altstätten der SVP bei. Seither setzt sich der Fachmann im Finanz- und Rechnungswesen für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein. Ein Thema, bei dem er auch auch im Kantonsrat Schwerpunkte setzen will. Im Gespräch erklärt der 48-Jährige, was ihn zur Kandidatur bewogen hat, wieso man linken Politikern besser auf die Finger schauen muss und weshalb die EU ein Ablaufdatum hat.

Harry Grubenmann, am traditionellen Klaushock der SVP Rheintal wurden Sie als Kantonsratskandidat nominiert. Bei der Vorstellung Ihrer Person haben sie erwähnt, dass sie sich für die KMU einsetzten wollen. Ist das nicht etwas knapp formuliert?

Harry Grubenmann: Ja das trifft zu. Wegen des begrenzten Zeitrahmens erwähnte ich jenen Bereich der für mich ganz zu oberst auf der Prioritätenliste steht.

Liegt Ihr Fokus ausschliesslich bei der Wirtschaft?

Nein, das natürlich nicht. Aber wenn wir in diesem Bereich ein nachhaltiges und der Umwelt angepasstes Wachstum erreichen, können letztlich auch die Leistungsschwächeren und Hilfsbedürftigen der Gesellschaft davon profitieren.

Welche Erfahrungen können Sie hierfür einbringen?

Durch die Mitarbeit im Gruppencontrolling eines weltweit führenden Softwareherstellers und als ehemaliger Mitarbeiter einer anderen, sehr erfolgreichen High-Tech Unternehmung im Rheintal, konnte ich wertvolle Erfahrung in international tätigen Unternehmen sammeln. Diese möchte ich nun in die Politik einbringen, und zwar nicht nur für die Stärkung der KMU, sondern auch für die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Rheintal allgemein. Und wenn ich Wirtschaft meine, dann denke ich natürlich neben den KMU auch an die Landwirtschaft und die Bauindustrie.

Mit welchen Massnahmen kann eine solche Stärkung erreicht werden?

Wie erwähnt ist die Wirtschaft das Rückgrat jeder Demokratie. Sie generiert die Mittel, die der Staat für seine Aufgaben benötigt. Darum erachte ich es als primäres Ziel, die Motivation der Investoren und Unternehmer aufrecht zu erhalten. Ohne sich auf Experimente einzulassen, kann das relativ unkompliziert durch optimale Rahmenbedingungen und mit einer gemässigten Steuerpolitik erreicht werden. Man muss dafür das Rad nicht neu erfinden. Der Druck auf die Unternehmen darf in der aktuellen Wirtschaftslage nicht auch noch von der Seite des Staates zunehmen.

Nach tieferen Steuern schreien sehr viele. Ist dies effektiv das Mass aller Dinge?

Gerade mit Blick auf die Unternehmenssteuerreform III darf die Zielsetzung, die Besteuerung aller Unternehmen tief zu halten oder zu senken, nicht aus den Augen verloren werden. Wenn das Steuerniveau für alle Unternehmen gleich tief und auch für ausländische Investoren attraktiv gehalten wird, können EU, OECD oder auch die G20 keinen weiteren Druck wegen Steuerprivilegien anbringen.

Das tönt sehr wirtschaftsnah und könnte auch ein Argument für den Beitritt in eine andere Partei gewesen sein. Warum haben Sie sich für die SVP entschieden?

Die Partei ist mir einfach sehr sympatisch und vertritt wie keine andere die Werte, welche die Schweiz ausmachen.

Das ist wieder etwas kapp formuliert...

Wie sie meinen Aussagen entnehmen können, ist meine politische Grundeinstellung klar liberal bürgerlich ausgerichtet. Da liegt eine Mitgliedschaft bei der SVP schon sehr nahe. Es ist ja vor allem diese Partei, welche sich für einen starken Wirtschaftsstandort einsetzt. Zudem stelle ich fest, dass die SVP am kompromisslosesten der linken Bewegung und dem sozialistischen Gedankengut entgegenwirkt. Ich bin persönlich sehr davon überzeugt, dass man Vertretern einer Partei wie der SP, die in ihren Statuten immer noch an der Beseitigung des Kapitalismus festhält, sehr genau auf die Finger schauen muss. Sie bedienen sich nur zu gerne sehr grosszügig unserer Steuergeldern. Im aktuellen unsicheren internationalen Umfeld und bei der derzeitigen Weltwirschaftslage ist das verheerend. Es darf nicht weiter mit unbedachten Ausgaben und Umverteilungen experimentiert werden.

Sie sprechen die aktuelle Weltwirtschaftslage an: Haben Sie auch bei der Europapolitik die grundsätzliche Meinung der SVP?

Ja, und mit gutem Grund. Gerade hier möchte ich nochmals auf meine Aussage mit den Experimenten zurückkommen und einen Vergleich aus dem Wirtschaftsleben anbringen. Vereinfacht gesagt, scheint für mich die Entwicklung der EU als Institution ein überdimensionales Pilotprojekt zu sein. Wenn wir in der Wirtschaft etwas Neues einführen wollen und die Anbietern von einem «Pilotprojekt» sprechen, verwerfen wir es in den meisten Fällen noch vor dem eigentlichen Start. Die Gründe dafür sind klar: Die Kosten bei einem Pilotprojekt sind massiv höher, es kann auf keine Erfahrungswerte oder Referenzen zurückgegriffen werden und das Ergebnis sowie die Performance sind ungewiss. Ausserdem werden bei der Einführung Fehler gemacht, die später nur sehr schwer und mit viel Aufwand zu beseitigen sind.

Sie stellen der EU einen sehr schlechten Leistungsausweis aus…

Persönlich bin ich davon überzeugt, dass die Europäische Währungsunion und auch die Europäische Union ein Ablaufdatum haben, da sie die Mitgliedstaaten wegen Überregulierungen und permanenten Missplanungen mittelfristig fluchtartig verlassen werden. Wir können es uns nicht mehr länger leisten, weiterhin in ein Konstrukt mit ungewissem Ausgang übermässig Steuergelder zu investieren.

Was das Volk aktuell bewegt ist die Flüchtlingsproblematik. Welches Zeugnis stellen Sie hier der Politik aus?

Wie sie heraushören konnten bin ich ein klarer Vertreter der Wirtschaft. Hier sehe habe ich meine Kompetenzen und hier möchte ich mich engagieren. Darum möchte ich mich bei der Antwort auf diese Frage eher kurz halten. Was ich festgestellt habe ist, dass wir mit einer zu grosszügigen Aufnahmebereitschaft bei Wirtschaftsflüchtlingen, beispielsweise aus Eritrea, die Chance verpasst haben, Aufnahmekapazitäten für wirklich Schutzbedürftige aus der aktuellen Flüchtlingssituation frei zu halten. Durch diese Fehlplanungen fehlt es nun natürlich an Akzeptanz in der breiten Bevölkerung.

Auch hier weichen Sie nicht wirklich von der typischen SVP-Linie ab…

Was heisst schon «typische» SVP-Linie? Damit unterstellt man der Partei ein Korsett, das nicht vorhanden ist. Ich bin noch nicht so lange dabei, aber was mir am Parteileben von Anfang an aufgefallen ist, ist, dass man durchaus auch nicht typische SVP-Themen anbringen kann und, dass wirklich nicht jeweils alle Anwesenden an Versammlungen einer Meinung sind. Es herrscht eine lebendige Diskussionskultur. Das schätze ich sehr.

Wenn sie sich mit einem Wort umschreiben müssten, wie würden sie sich bezeichnen?

Das ist schwierig… Da müsste ich einen Begriff erfinden, den es noch nicht gibt, beispielsweise «vernunftsoppositionell»…

pd

Rheintaler Bote vom Mittwoch, 20. Januar 2016, Seite 6 (22 Views)

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