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Schwerer Stand für die SVP

Erschienen am: Fr, 11.09.2015 · Erschienen in: Der Rheintaler

Schwerer Stand für die SVP

Seraina Hess 0 Kommentare

Von den Bilateralen über Migration bis hin zur Frage über die Ehe bei gleichgeschlechtlichen Paaren: An der Kantonsschule diskutierten sechs Nationalratskandidaten über aktuelle politische Themen – und buhlten währenddessen um die Gunst der jungen Wählerschaft.

HEERBRUGG. Ein paar Jahre jünger, und der Bernecker SVP-Nationalratskandidat Mike Egger hätte ebenfalls in den Reihen der Kantonsschüler in der Aula sitzen können. Und doch gelang es ihm trotz seines jugendlichen Charmes nicht, die Mehrheit der Sympathien auf seine Seite zu ziehen. Mehrmals ging ein Raunen durch die Menge – beispielsweise dann, wenn er von der «Überflutung durch Flüchtlinge» sprach. Jede provokative Frage, die von den Schülern gestellt wurde, richtete sich an den SVP-Politiker. Doch Eggers Präsenz an der Diskussion zeigte eines: Die Kantonsschüler sind Politik-interessiert, viele von ihnen haben sich bereits entschieden – wenn auch selten zugunsten der SVP.

Geleitet wurde das Podiumsgespräch am Donnerstagabend von Geschichtslehrer Stefan Rohner und seinem souveränen Assistenten, dem Kantischüler Juri Künzler. Das Gespräch teilte sich in drei Themenblöcke: die Beziehung zwischen der Schweiz und Europa, Migrationspolitik sowie Ehe und Adoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren.

Goldener SVP-Käfig

Europapolitik – das Stichwort, das ziemlich schnell die Masseneinwanderungs-Initiative und die damit verbundene Gefährdung der bilateralen Verträge zum grossen Thema machte. Obwohl Mike Egger von Benno B. A. Stadler (glp) ermahnt wurde, seine Plädoyers nicht zum Monolog verkommen zu lassen, ergriff er mehrfach das Wort und hielt daran fest, die Bilateralen müssten neu verhandelt werden. Als Stadler behauptete, die Initiative sei mit einem Zufallsmehr entstanden, wurde das Gespräch energisch: Der Auer CVP-Kandidat Fabian Hutter ergriff das Wort und verteidigte seinen SVP-Kollegen. Wenn das Volk eine Initiative angenommen habe, müsse man diese Entscheidung gegen aussen tragen – obwohl auch er die Initiative als Unsinn erachte. Das Thema erhitzte die Gemüter, auch im Publikum: Schüler Thomas Percy stellte keine Frage, sondern gab ein druckreifes Statement ab, das ihm Applaus einbrachte: «Mit der Abschottung durch die Masseneinwanderungs-Initiative baut sich die SVP einen goldenen Käfig. Der Käfig bleibt, doch das Gold blättert ab.»

Hätte Stefan Rohner nicht unterbrochen, wäre die Diskussion noch lange weitergegangen. Er leitete über zur Migrationspolitik, wobei einzig das aktuelle Flüchtlingsthema zur Sprache kam – das Stichwort für Julia Wolfer (Grüne): «Wir haben das Potenzial, sehr viel mehr Menschen aufzunehmen.» Denn die Zuwanderung durch Flüchtlinge sei nur ein kleiner Teil des Themas, der momentan aktuell ist. Mit der Wirtschaftsmigration müssten wir über Jahre hinweg klarkommen. Deshalb plädierte sie dafür, einen Teil dazu beizutragen, dass Menschen dort sicher leben können, wo sie geboren wurden.

Hasler: «Absurde Idee»

Isabel Schorer (FDP) sprach sich für eine klare Regelung zur Unterscheidung von Wirtschafts- und an Leib und Leben bedrohten Flüchtlingen aus, und Mike Egger provozierte erneut mit einem Vorschlag: Er will, dass Asylgesuche im Herkunftsland gestellt werden. Dies liess wiederum Etrit Hasler (SP) zu Hochform auflaufen. Er nannte es absurd, wenn ein Syrer zwischen Bombenangriffen auf einer einheimischen Behörde einen Antrag stellen und danach jahrelang auf eine Einreisebewilligung warten muss.

Stadler für Homo-Ehe

Benno B. A. Stadler hatte seinen grossen Auftritt bei der Frage über Ehe und Adoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren. Die Beschränkung sei weltfremd, schliesslich sei die Ehe zwischen Mann und Frau auch kein Garant für ein gutes Zusammenleben. Sein Statement ging den Schülern nahe, sie applaudierten laut.

Auch wenn die SVP an der Kanti nicht punkten konnte; Viertklässlerin Eliane Hobi fasst die Diskussion in der Aula passend zusammen: «Einen Einblick haben wir bekommen, das war das Ziel. Und gut reden kann Mike Egger, das ist nicht abzustreiten.» Auch er wird wieder die Gelegenheit bekommen, unter Applaus zu sprechen – doch sein Publikum ist ein anderes.

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