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Ein SVPler will den Bus nicht missen

Erschienen am: Mi, 07.01.2015 · Erschienen in: Der Rheintaler

 

Ein SVPler will den Bus nicht missen

Gert Bruderer 1 Kommentare

Zwar fährt der Bus der Linie 332 seit einem Jahr bis Kobelwald, doch nach dem Wintereinbruch war auf einmal Schluss. Der im Dorf lebende SVP-Präsident Ernst Gächter hat dafür kein Verständnis. – Was Rheintal Bus interessanterweise versteht.

KOBELWALD. Inzwischen hat sich Ernst Gächter wieder beruhigt. Der langjährige Präsident der SVP Oberriet sitzt in seiner Stube in Kobelwald, Bergstrasse 27, hundert Meter vom Dorfplatz entfernt, und fragt: «Soll ich am besten gleich mal die erzählen?» Von der Kommode lächelt Christoph Blocher herüber, vom Deckel eines aufgestellten Buches.

Die «ganze Geschichte» hat ihr vorläufiges Ende über die Festtage gefunden. Kaum war der viele Schnee da, blieb Kobelwald vom Rest der Welt abgeschnitten. Jedenfalls für Menschen ohne Auto. Denn Rheintal Bus schickte Knall auf Fall keinen Bus mehr nach oben ins 600-Seelen-Dorf, das zu Oberriet gehört und fast genau 100 Meter über der Talebene liegt. Hier, auf dem Dorfplatz, befindet sich die südliche Endstation der Buslinie 332, die von Altstätten über Kriessern, Montlingen und Oberriet nach Kobelwald führt.

Kein zweitklassiges Dorf

«Wir sind doch keine zweitklassige Gesellschaft, der man einfach den Service public streichen kann», wettert Ernst Gächter, dessen Stimmgewalt die im Gespräch neu entfachte Verärgerung besonders gross erscheinen lässt. Als ginge es um eine Staatsaffäre. Aber auch anerkennende Worte gehen Gächter leicht über die Lippen. Im letzten Frühjahr, als er mit dem Zug leicht verspätet von einer Auslandreise heimgekehrt war und der Anschlussbus nicht gewartet hatte, entschuldigte sich Rheintal Bus nachträglich. Das hat Gächter Eindruck gemacht. Ihm, der zwar ein Auto hat, der aber öfters mit dem Bus und mit dem Zug fährt.

Allein die zwölf oder mehr SVP-Delegiertenversammlungen jährlich, an denen Gächter teilnimmt, besucht er konsequent mit Bus und Bahn. Und diesen Freitag, zur Neujahrsbegrüssung seiner Partei, fährt er ebenfalls mit dem Bus.

Er ärgert sich somit als Kunde über den Verkehrsbetrieb, weil dieser sowohl am 30. als auch am 31. Dezember beschloss, Kobelwald nicht zu bedienen.

Bus wichtig fürs Dorf

Die «ganze Geschichte», von der anfangs die Rede war, reicht zurück in die Amtszeit von Gemeindepräsident Walter Hess. Damals war Kobelwald noch ohne Bus, eine Verbindung hierher aber schon ein Thema. Erst seit einem Jahr besteht sie nun, als Versuch für drei Jahre. Viele Zugezogene, sagt Gächter, hätten inzwischen zwei Autos, das sei für die endlich geschaffene neue Verbindung nicht günstig. Trotzdem sei sie wichtig für das Dorf. Gächter hat Angst, Kobelwald könnte wieder verlieren, was es endlich (versuchsweise) bekommen hat. Auch darum reagiert er barsch, wenn Kobelwald – wie Ende Jahr von Rheintal Bus – im Stich gelassen wird.

Ernst Gächter sagt: «Rheintal Bus hätte doch einen Kleinbus einsetzen oder Schneeketten montieren können.» Und zumindest – jetzt regt Gächter sich noch einmal richtig auf –, «zumindest hätte eine Infotafel an alle betroffenen Haltestellen gehört: »

Für Gächter allerdings ist klar: Der Busbetrieb nach Kobelwald hätte wegen des Wintereinbruchs nicht unterbrochen werden müssen. Werner Schöb, der früher selbst Chauffeur war und dessen Familie fleissig die Strasse vom Schnee räumt, pflichtet Gächter bei. Auch nach Schöbs Einschätzung wäre die Strasse ins Bergdorf befahrbar gewesen.

Selbstkritischer Bus-Chef

Die Haltung des kritisierten Verkehrsbetriebes bringt Hans Koller ohne Umschweife auf den Punkt, als hätte er darauf gewartet, um eine Stellungnahme gebeten zu werden. «Sicher ziehen wir aus dieser Sache eine Lehre», sagt der Leiter Markt bei Bus Ostschweiz (Rheintal Bus, Wil Mobil, Bus Sarganserland Werdenberg). Und Koller lässt es nicht bei dieser pauschalen Aussage bewenden, sondern bleibt selbstkritisch, wenn es konkret wird.

Kleinbus? «Sollte uns der Winter wieder überraschen, bemühen wir uns, so zu disponieren, dass auch Kobelwald weiter bedient werden kann.» Ausserdem erwäge man bei einer nächsten Fahrzeug-Anschaffung den Kauf eines Busses, der für Bergstrecken besonders geeignet wäre.

Infotafeln? «Ja, wir hätten besser informieren sollen», sagt Hans Koller. Wenigstens habe man den Unterbruch elektronisch kommuniziert, über eine Ostwind-App.

Hans Koller fügt hinzu: «Wir werden zudem unsere Entscheide künftig schneller überdenken und den allfälligen Unterbruch einer Linie wegen Schnee und Eis möglichst kurz halten.»

Sicherheit zuvorderst

Koller wirbt auch für Verständnis. Der Fahrplan sei generell sehr dicht, die Situation bei einem Wintereinbruch auf dem ganzen Netz sehr schwierig. Und: «Der Disponent sieht stets die Sicherheit an erster Stelle, was auch richtig ist.»

Am 31. Dezember sei der Bus am frühen Morgen nach der Begegnung mit einem Auto in einer Kurve kaum mehr weggekommen; dies habe zum Entscheid geführt, nach Kobelwald vorübergehend nicht mehr hochzufahren. Der Einsatz von Schneeketten wäre zwar möglich, ein An und Ab aber ausgeschlossen. Würden Schneeketten angebracht, blieben sie auch in der Ebene montiert, was den Bus langsamer fahren liesse und die Einhaltung der Zeiten gefährden würde, sagt Koller.

Gächters Zeichen

Nach dem ersten Jahr des versuchsweisen Busbetriebes bis Kobelwald sind noch keine Zahlen ausgewertet. Doch Hans Koller weiss: «Allmählich wird das Angebot angenommen.» Augenzwinkernd fügt er bei: «Ein Stück weit zeigen dies ja auch die jüngsten Reaktionen.»

Ernst Gächter bleibt zwar dabei: «Mit einem Ort im Zentrum des Liniennetzes, mit Altstätten zum Beispiel, hätte sich der Verkehrsbetrieb bestimmt nicht so umzuspringen getraut wie mit Kobelwald.» Doch Gächter zeigt sich auch versöhnlich. Und fügt seinerseits schelmisch hinzu: «Ein Zeichen setzen könnte der Verkehrsbetrieb mit einem Gratisbillett als Entschädigung.»

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