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Basisstufe: Mehrkosten anstatt pädagogischer Mehrwert

Erschienen am: Mo, 01.02.2010

In unserem Kanton und auch im benachbarten Vorarlberg hat sich das System der Einschulung nach dem Kindergarten während vielen Jahrzehnten bewährt. Von 2004 bis 2008 wurden nun im Kanton St.Gallen Neuerungen mit dem Projekt „Basisstufe“ (Zusammenführung Kindergarten und erste zwei Primarklassen) erprobt. Zu diesem Zweck wurden, teils gegen den Willen der verantwortlichen Lehrkräfte, in einigen Schulgemeinden Pilotprojekte durchgeführt. Die Versuche waren begleitet von vielen kritischen Bemerkungen anlässlich der Unterstufenkonferenzen. Von Beginn weg befürchtete man ein Missverhältnis zwischen Mehrkosten und pädagogischem Mehrwert.

Nun liegt der Schlussbericht der Schulversuche im Kanton St.Gallen vor. Nach reiflicher Ueberlegung haben das Bildungsdepartement und der Erziehungsrat beschlossen, auf eine obligatorische Einführung zu verzichten. Obwohl sich die Versuchsschulen schlussendlich positiv äussern, ist die Mehrheit der Unterstufenlehrkräfte froh, dass ein Marschhalt eingelegt wurde. Man sieht in diesen Modellen wenig Vorteile gegenüber dem herkömmlichen Lernen in Jahrgangklassen. Zu diesem Schluss kam auch der Schulrat Jonschwil-Schwarzenbach und hat als Versuchsgemeinde entschieden, wieder zum Kindergartenmodell zurückzukehren. Man kam zum Schluss, dass auch das herkömmliche System pädagogisch sehr gute Leistungen erbringt und die Basisstufe zu wenig Vorteile aufweise. Andernfalls müsste man die Basisstufe auch in der Mittel- und Oberstufe einführen. Der Erziehungsrat hat Weitsicht bewiesen. Das Gros der betroffenen Lehrkräfte stand dem Modell nämlich skeptisch gegenüber. Der Bildungschef hat richtigerweise erkannt, dass eine derart einschneidende Reform ohne vorbehaltlosen Rückhalt beim Gros der Auszuführenden zum Scheitern verurteilt ist. Der Entscheid ist deshalb zu begrüssen. Er wird hoffentlich dazu führen, dass die im Volk wenig abgestützte Reformitis in unserem Bildungswesen etwas gebremst wird.

Die Zusammenführung von vier verschiedenen Jahrgängen hätte, abgesehen vom finanziellen Aspekt, viele Kinder auch überfordert. Gerade im Vorschulalter ist das Wohl des Kindes in jeder Hinsicht in den Vordergrund zu stellen. Deshalb überzeugt die Basisstufe als pädagogisches Allerheilmittel nicht vollumfänglich. Es stimmt zuversichtlich, wenn der neue Regierungsrat Kölliker auch auf die Meinung erfahrener Lehrpersonen setzt und nicht nur auf der Linie von Bildungstheoretikern fährt. Zudem zeugt es von Mut und Entschlossenheit, Schulversuche kritisch zu begleiten und nötigenfalls auch abzulehnen.

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