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Ein Armutszeugnis für die Schweiz

Erschienen am: Di, 17.08.2010

Mit einer würdigen Einweihungsfeier wurde vor wenigen Wochen die alte Schollenmühle im Altstätterriet dem Publikum wieder zugänglich gemacht. Anwesend war auch ein Fernsehteam. Vergeblich wartete man am Abend auf eine Ausstrahlung im Schweizer Fernsehen. Aber siehe da, das österreichische Fernsehen orientierte zur besten Sendezeit um 19.00 Uhr umfassend über die Schollenmühle. Ein Dank an die Vorarlberger für ihr Interesse an der Kultur und am uralten Handwerk ihrer Schweizer Nachbarn. Ein Armutszeugnis aber… aus Sicht von uns anwesenden offiziellen Schweizer Gästen. Wie kam es dazu, dass unser eigenes Fernsehen kein Geld hatte, um einen Beitrag zu produzieren?

Das Bundesland Vorarlberg (370 000 Einwohner) verfügt über ein eigenes staatliches Radio und Fernsehen. Im hochmodernen Vorarlberger Medienhaus, wo Radio und Fernsehen vereint sind, arbeiten insgesamt weit über 100 Personen. Diese Dienstleistung an die Vorarlberger Bevölkerung lässt sich der Staat Österreich jährlich sage und schreibe über 10 Millionen Schweizerfranken kosten. Chapeau!!

Wie sieht der Vergleich mit dem Kanton St. Gallen (470 000 Einwohner) aus? Unser staatliches Radio (Regionaljournal), ein Fernsehen haben wir keines, orientiert die St. Galler Bevölkerung gerade einmal täglich dreimal 5 Minuten über das Tagesgeschehen im gesamten Kanton. Die für die Ostschweiz zuständigen privaten Radio- und Fernsehstationen FM1 und TVO werden durch den Bund jährlich mit mickrigen gut zwei Milliönchen Franken unterstützt. Für die Versorgung der gesamten Ostschweiz mit Radio und Fernsehen arbeiten ganze knapp 45 Personen. Dafür zahlt jeder Haushalt jährlich über 400 Franken (Vorarlberg 300 Franken) Radio- und Fernsehgebühren. Zum Programm hat der zahlende Schweizer jedoch nichts zu sagen.

So werden die Zuschauerzahlen von TVO halt weiter sinken und wir reichen Schweizer auch zukünftig gezwungen sein, aktuelle Informationen über unser Rheintal in Vorarlberg zu holen. Dort wird der Bürger über Radio und Fernsehen rund um die Uhr orientiert, was in seiner Heimat läuft, auch wenn es den hintersten Bregenzerwald betrifft. Wenn wir St.Galler das Schweizer Fernsehen einschalten, hören und sehen wir, was in einem Hinterhof in Beirut oder Bagdad geschehen ist. Interessieren tut das niemand. Was aber gleichentags im Rheintal, im Toggenburg oder im Taminatal passiert ist, davon hört und sieht das St. Galler Volk nichts. Anstatt in der Ostschweiz ein staatliches Fernsehen einzurichten, schickt der Bundesrat lieber jährlich 2,5 Milliarden Franken ins Ausland. So erstaunt es keineswegs, um wieder auf unsere Heimat zurückzukommen, wenn die Vorarlberger stolz auf ihr kleines Ländchen sind, währendem wir St. Galler jede gemeinsame Identität vermissen lassen. Schuld daran ist auch der Umstand, dass der Bundesrat und die höchsten Medienbosse den ländlichen Teil der Schweiz medienmässig verhungern lassen.

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