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Täuschende Statistik zur Arbeitslosigkeit

Erschienen am: So, 31.01.2016

Täuschende Statistik zur Arbeitslosigkeit

 

Vor kurzem wurden die neusten Zahlen zu der Arbeitslosigkeit veröffentlicht. Die Zunahme ist deutlich und mittlerweile beträgt die Arbeitslosenquote gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft 3,7 %. Die Beschwichtigung seitens der Behörden kam umgehend: Im europäischen Vergleich sei diese Quote eher tief. Diese Behauptung ist fragwürdig, denn bei näherem Hinschauen sieht die Sache weniger gut aus. Zum einen ist insbesondere die Arbeitslosigkeit  unter  den Ausländern viel höher, sie liegt  bei 7,3 %. Von den Staatsangehörigen aus den EU-Oststaaten, die ursprünglich zum Arbeiten in die Schweiz kamen,  sind mittlerweile sogar rund 15 % ohne Job.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern schliesst die Schweiz in ihrer Arbeitslosigkeitsstatistik die Ausgesteuerten nicht ein. Das sind die Langzeitarbeitslosen,  die keine Arbeitslosenunterstützung mehr bekommen und von der Sozialhilfe leben müssen. Zählt man die arbeitsfähigen Ausgesteuerten zu den Arbeitslosen hinzu, dann liegt  die Quote bei 4,9 %, was höher ist als in Deutschland wo die entsprechende Quote 4,4, % beträgt.

Es gibt verschiedene Gründe, warum die Arbeitslosigkeit steigt. Von der Aufhebung des Mindestkurses gegenüber dem Euro vor einem Jahr, über den Einkaufstourismus bis hin zur Personenfreizügigkeit spielt alles eine Rolle. Die Aufwertung des Schweizer Frankens hat die Exporte um einen Schlag stark verteuert und einige Firmen in Schwierigkeiten gebracht, die mit Entlassungen reagiert haben.  Der Detailhandel leidet unter dem massiven Einkaufstourismus, der immer mehr Arbeitsplätze in der Schweiz gefährdet und dank der Personenfreizügigkeit können die Unternehmen aus einer grossen Zahl von Bewerbungen die besten oder günstigsten Angebote auf Kosten  der einheimischen Arbeitskräfte auswählen.  Alle diese Faktoren haben letztlich mit den Marktkräften zu tun oder anders gesagt mit dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Dementsprechend sind sie schwierig zu beeinflussen. Das mindeste wäre aber, dass die Behörden diese Entwicklungen ehrlich  kommunizieren, anstelle sie mit statistischen Tricks schönzufärben.

 

Mike Egger

Kanronsrat, Berneck

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