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Ja zur Familie, nein zum Familienartikel

Erschienen am: Mi, 13.02.2013

Ja zur Familie, nein zum Familienartikel

 

CVP-Kantonsrätin Marlen Hasler platziert in ihrem Leserbrief vom 5. Februar unter anderem diese Erdichtung: „Nur die Familie – der Kern unserer Gesellschaft – bleibt in unserer Verfassung unerwähnt.“ Das müsse ändern, deshalb brauche es einen neuen Familienartikel.

Ist die Familie Sache des Staates oder Sache der Menschen? Für sie ist sie klar ein Fall für den Staat: „Familie ist Privatsache – immer und immer wieder versucht die SVP das alte Familienbild aus Gotthelfs Zeiten heraufzubeschwören“, heisst es von ihr. Wer anders denkt als Frau Hasler, ist ein Ewiggestriger.

Man möchte der Kantonsrätin zuerst einmal etwas mehr Sachkenntnis gönnen. Zum Beispiel zur Bundesverfassung: Vielleicht ist Artikel 116 des aktuellen Grundgesetzes ihrer Aufmerksamkeit entglitten. Oder hält sie gar noch eine Bundesverfassung aus Gotthelfs Zeiten in ihren Händen?

Anders können wir uns ihre Worte nicht erklären. Denn in der heutigen Verfassung steht zum Kern unserer Gesellschaft wortwörtlich: „Der Bund berücksichtigt bei der Erfüllung seiner Aufgaben die Bedürfnisse der Familie. Er kann Massnahmen zum Schutz der Familie unterstützen.“ Darum gibt es Kinderzulagen, um nur ein Beispiel zu nennen.

Für uns sind die FDP, die SVP, der Gewerbeverband, weitere Wirtschaftsverbände, der Präsident von „Zukunft.ch“ und viele andere keine Ewiggestrige. Trotzdem sind all die Erwähnten gegen den unnötigen Familienartikel. Gerade aufgeschlossene und verantwortungsvolle Menschen sind kritisch gegenüber massiv subventionierten Anreizen, die Kinder im Vorschulalter nicht mehr selbst zu erziehen. Sie wissen: In den Ländern, welche die Familie zur Staatsangelegenheit gemacht haben, ist es nicht gut herausgekommen. Gesellschaftlich nicht und mit den Finanzen nicht.

Wir wurden am 2. Januar dieses Jahres Eltern einer kleinen Tochter. Sie ist unser erstes Kind. In der Zeit vor und nach der Geburt durften wir überall auf Hilfe zählen.

Von den Organisatorinnen des Schwangerschaftsturnens über die Ärzte und die Krankenschwestern, von den Hebammen über die Grosseltern, den Götti und die Gotta, von den Onkeln und Tanten der Kleinen über den Frauen- und Mütterverein bis zu den Stillberaterinnen waren und sind uns zahlreiche Menschen und Institutionen eine phantastische Hilfe. Vielfach geschieht das in der Form von Freiwilligenarbeit, die in unserem Land eine Tradition hat wie in keinem anderen.

Wer diese Errungenschaft nicht aufs Spiel setzen will und Kinder und Familie nicht als Staatsaufgabe betrachtet, fährt am 3. März mit einem Nein zum so genannten „Familienartikel“ besser. Davon sind wir überzeugt.

 

Patricia und Roland Rino Büchel (Nationalrat SVP), Nordstrasse 21, Oberriet

 

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